Wöchentliches über Büchermacher und aktuelle Bücher
00:00:01: Herzlich willkommen zu unserem Podcast der Büchermacher.
00:00:03: Mein Name ist Ralf Plenz, wir sind bei Folge dreieinhalbfünfzig im Bereich wie Verlage Bücher machen Teil zweieinzehnt sechstenneunzig.
00:00:10: Im Studio ist Maren Schönfeld die sie von vielen Folgen schon kennen.
00:00:14: Wir sind jetzt bei Folge vier von Vier zum Buch von Hermann Suderman.
00:00:18: Frau Sorge.
00:00:19: Maren Der Platz am Mikrofon ist deiner und ich bin schon sehr gespannt was du uns rausgesucht hast.
00:00:24: es geht ja bald auf das Ende des Burus zu.
00:00:27: Ja, hallo Reif!
00:00:28: Hallo liebe Zuhörerinnen und Zuhörer.
00:00:31: Es geht langsam auf das Ende des Buches zu.
00:00:34: Ich schaue mal.
00:00:34: also die Stelle, die ich jetzt lesen möchte ist so der Anfang des letzten Drittels Und geht darum dass die Mutter und der Sohn die beide ja eine sehr enge Bindung haben nun auch in den letzten Tagen und Stunden des Lebens der Mutter zusammen sind und sehr eng miteinander verbunden sind.
00:00:56: Beide sind Charaktere, die sich stets viele Sorgen machen Und Paul sorgt sich nun auch um sie weil sie im Sterben liegt er das aber nicht so richtig wahr haben möchte.
00:01:09: und wir gehen hier in eine Szene der Abende Die Sie dann gemeinsam verbringen.
00:01:15: er an ihrem Bett So wie sie früher als er klein und sehr krank war oft krank war und schwächtlich war, an seinem Bett gesessen hatte.
00:01:27: So war es schon immer zwischen Mutter und Sohn gewesen – die Fülle ihrer Liebe suchte nach Worten aber die Sorge hatte ihnen in die Sprache geraubt.
00:01:38: Morgens wenn die Sonne aufgegangen war tauchte er den Kopf in eiskaltes Wasser und ging an die Arbeit.
00:01:46: Seine Gegenwart gab der Mutter so weit Frieden dass sie dann und wann zu schlafen vermochte.
00:01:52: Als dann schlich er auf zehn Spitzen in seine Kammer und holte die physikalischen Bücher herunter, in denen gelehrt und unverständlich die Konstruktion der Dampfmaschinen beschrieben war.
00:02:05: Sein Kopf müde vom vielen Wachen und jeder Geistesarbeit entwöhnt, erfasste nur schwer den Sinn der dunklen Worte – aber er hatte ja Zeit!
00:02:16: Und unentwegt arbeitete er
00:02:18: fort.".
00:02:18: Seite um Seite, wie wenn ein Ackersmann ein steindiges Brachfeld pflügt.
00:02:25: Schlug die Mutter die Augen auf, fragte sie – Wie weit bist du mein Sohn?
00:02:31: Und dann musste er ihr erzählen und sie tat so als verstünde sie etwas davon.
00:02:36: Fragte sie aber – Und wozu tust du das?
00:02:41: Dann machte er einen schlaues Gesicht und sagte Ich lerne Gold machen!
00:02:46: Mein armer Junge widerte sie und streichelte seine Hand.
00:02:52: Eine Nacht war es gleich nach den Pfingstfeiertagen, da konnte sie wieder nicht einschlafen.
00:02:58: Lies mir aus den gelehrten Büchern vor, sagte sie – die sind so hübschlangenweilig!
00:03:03: Vielleicht fallen wir dabei die Augen zu?
00:03:06: Und er tat wie Sie geheißen aber als er eine Stunde gelesen hatte bemerkte er dass sie ihn mit großen Fieber glänzenden Augen anstarre und dem Einschlaffen ferner war als je.
00:03:19: – Also daraus willst du Gold machen?
00:03:22: fragte sie.
00:03:24: Ja, Mutter!
00:03:25: Erwiderte er.
00:03:26: betreten, denn die Wiederkehr des Fiebers ängstigte ihn.
00:03:30: Wie willst du das anfangen?
00:03:33: Du wirst schon sehen, sagte er wie gewöhnlich.
00:03:36: Aber diesmal ließ sie sich nicht abdrüsten.
00:03:39: Sags mir lieber mein Junge Batzi, sag's mir gleich!
00:03:43: Wer weiß was
00:03:44: geschieht?!
00:03:45: Ich möchte wenigstens eine Kleinigkeit für mich zum Drüsten haben bevor ich
00:03:48: einschlafe.".
00:03:50: Mutter, rief er erschrocken.
00:03:52: Sehr ruhig, mein Junge, sagte sie, was liegt daran?
00:03:56: Aber erzähl mir, erzähl!
00:03:58: Sie bat wie in aufsteigender Angst als könnte es in der nächsten Minute zu spät sein.
00:04:04: Mit stockendem Atem und wirren Worten sprach er von dem, was ihm vorschwebte – wie er die Dampfmaschine schwarze Soße zum Leben erwecken wollte so dass das Moor ausgeschöpft werden könnte bis in seine tiefsten Tiefen.
00:04:20: Aber mitten im Reden überwältigte ihn die Angst.
00:04:23: Er stürzte Schluchze und fuhr dem Bett auf die Knie, und verbarg das Gesicht an ihrer Brust.
00:04:30: Sie hieß ihnen sich aufrichten und sagte – Es ist nicht recht von mir, dass ich dich Bange gemacht habe!
00:04:38: So Gott will kann ja noch alles anders kommen.
00:04:41: Was du mir da sagst hat mir große Freude bereitet.
00:04:45: Ich weiß wenn Du was in die Hand nimmst lässt Du es so bald nicht fallen.
00:04:50: Ich wünschte nur Ich könnte es noch erleben.
00:04:55: So sprach sie ihm leise und unmerklich wieder Mut zu, da sie für sich selber nichts mehr zu hoffen hatte.
00:05:02: In einer anderen Nacht als er übermüdet auf dem Stuhl eingeschlafen war rief sie seinen Namen.
00:05:09: Was wünschest du Mutter?
00:05:11: fragte er auffahrend.
00:05:13: Nichts sagte sie.
00:05:15: verzei mir ich hätte dich ruhen lassen sollen Aber wer weiß, wieviel wir miteinander noch reden werden?
00:05:22: Ich möchte die Zeit gerne
00:05:23: ausnutzen.".
00:05:25: Er war dieses Mal allzu schlaftrunken um den Sinn ihrer Worte zu verstehen.
00:05:30: Er setzte sich dicht daneben sie und fasste ihre Hand aber die Augen fielen ihm so gleich wieder zu.
00:05:38: Sie glaubte ihn wachend und fing an zu reden.
00:05:42: »Ich bin einmal ein sehr lustiges junges Ding gewesen – nicht viel anders als deine Schwestern!«.
00:05:48: Das Herz hat mir vor Jubel fast zerspringen wollen, und meine Augen haben immer in die Ferne geschaut.
00:05:54: Es müsste von dort irgendwas Ungeheuer Schönes dahergefahren kommen – ein Prinz oder sonst was derart!
00:06:02: Einmal habe ich auch zu lieben angefangen mit der anderen Liebe, der Großen, der Himmlischen, die wie das Schicksal über einen
00:06:09: kommt.".
00:06:11: Aber er hat mich nicht haben wollen.
00:06:13: Er war schlank und blond, Und hatte eine Warze auf dem Kinn.
00:06:16: Die Warze habe ich immer küssen mögen, Aber ich bin nie dazu gekommen!
00:06:21: Er sah meine Liebe wohl, Und eines Tages als er besonders übermütig war, Hat er mich in den Arm genommen und hat mich geherzt – Und dann wieder laufen lassen.
00:06:33: Ich war aber fröhlich und freute mich, Dass er mich doch einmal im Arm gehalten.
00:06:39: Sie hielt
00:06:39: inne.".
00:06:40: Ihr Auge leuchtete, ihre Wangen über Floss ein rosiger, fast Mädchenhafter Schimmer.
00:06:47: Sie hatte sich wunderbar verjüngt!
00:06:49: Da sah sie, daß er eingeschlafen war und traurig schwieg sie still.
00:06:56: Als er erwachte, sagte er, mir war so Mutter als ob du mir was erzählt hast?
00:07:02: Du hast wohl nur geträumt, sagte sie und lächelte.
00:07:06: aber Ihre Gedanken waren inzwischen weiter und weitergewandert durch ihr Leben hin und hatten aus allen Winkeln die kleinen Reste der Freude hervorgekehrt, die sich all da verkrochen.
00:07:20: Ich weiß eigentlich nicht, sagte sie, warum ich mein Lebtag so traurig gewesen bin?
00:07:27: Wenn ich zurückdenke ein großes Unglück ist mir eigentlich niemals passiert.
00:07:33: Zwar schön war es nicht.
00:07:35: als wir von Hellenental herunter mussten von der brennenden Scheuchte blutrot beleuchtet sah, war mir der Schreck schlimm genug in die Glieder gefahren.
00:07:47: Aber im Großen und Ganzen habe ich es doch immer recht gut gehabt.
00:07:52: Ich hab euch Kinder alle großgezogen Und kein einziges durch den Tod verloren Zu essen und zu trinken haben wir auch immer gehabt.
00:08:02: Der Vater hat zwar manchmal gebrummt aber das ist nicht anders in der Ehe.
00:08:07: Das wirst du selbst mal erleben.
00:08:09: Ihr Kinder hat mich alle lieb gehabt.
00:08:12: Wir Jungen sind tüchtige Männer geworden und die Mädchen werden tüchtig Frauen werden, so Gott will und du sie nicht aus den Augen
00:08:20: lässt.".
00:08:21: Was will ich denn nun eigentlich?
00:08:24: Und so quälte diese Arme allmählich zu Tode gematerte Frau sich ab umzuerfahren wodurch sie zu Tote gematert worden.
00:08:34: Langsam lüftete Frau Sorge den Schleier von ihrem Haupt damit der Tod ihr ins Antle zhauchen könne, und eines Abends starb sie.
00:08:45: Die Augen fielen ihr zu – sie wusste selbst nicht wie!
00:08:50: Der Arzt, der noch gerufen wurde, sprach von Entkräftung, Anämie.
00:08:55: Nur die Empfindsamen sagen in solchen Fällen Sie starb an gebrochenem Herzen.
00:09:02: Bitterlich weinen knieten die Zwillinge an ihrem Bett, der Vater, der in seinem Stuhl hereingetragen worden schluchzte laut und wollte sie mit Gewalt ins Leben zurückrufen.
00:09:14: Paul stand zu Kopfenden des Bettes, und bis sich auf die Lippen.
00:09:19: »Ich habe doch recht behalten« gachte er.
00:09:22: Sie ist gestorben.
00:09:23: eh das Glück gekommen.
00:09:25: Hungrich hat sie von der Mahlzeit des Lebens aufstehen müssen – ganz wie ich es sagte!
00:09:32: Er wunderte sich, dass er keinen so großen Schmerz empfand, wie er es sich vorgestellt hatte.
00:09:38: Nur die wirren Gedanken an.
00:09:39: allerhand Dummes zeugte ihm fortwährend durch den Kopfschossen, wie Fledermäuse durch die Dämmerung – zeigten ihm, wie es mit seinen Sinnen bestellt war.
00:09:50: Es schlug Mitternacht.
00:09:52: da sagte der Vater Wir wollen zur Ruhe gehen.
00:09:55: Kinder.
00:09:56: Wer schlafen kann, der schlafe.
00:09:58: Schwere Tage stehen uns bevor.
00:10:02: Er umarmte die Zwillinge, schüttelte Paul die Hand und ließ sich in sein Zimmer tragen.
00:10:09: Wie gut der Vater heute ist, dachte Paul.
00:10:12: Er ist zu ihren Lebzeiten nie so gewesen!
00:10:16: Die Schwestern klammerten sich schluchzend an seinen Hals und verlangten, dass er bei ihnen wache.
00:10:21: Sie hätten solche Furcht.
00:10:24: Paul redete ihn trösten zu, geleitete sie in ihre Kammer und versprach, in eine Stunde nach ihnen sehenzukommen.
00:10:32: Als er nach dieser Frist mit einem Licht in der Hand leise an ihr Bett trat, fand er sie fest eingeschlafen.
00:10:39: Sie hatten sich eng umschlungen und auf ihren roten Wangen standen noch die Tränen.
00:10:45: Dann ging er an die Tür von Vaters Zimmer, um zu horchen – und als er auch hier keine laut vernahm, schlich er sich auf den Zehenspitzen in das Gemach, in welchem die Tote ruhte.
00:10:57: Er wollte zum letzten Mal an ihrer Seite wacher halten!
00:11:01: Die Schwestern hatten beim Schlafengehen ein weißes Tuch über ihr Antlitz gebreitet.
00:11:07: Das nahm er hinweg Faltete die Hände und sah zu, wie der flackerende Schein des Lichts auf ihren wechselnden Zügen spielte.
00:11:17: Sie hatten sich wenig verändert – nur das blaue Aderngeest in den Schläfen trat stärker hervor, Und die Wimpern warfen tiefere Schatten Auf die abgezehrten Wangen.
00:11:30: Er zündete die Nachtlampe an, Die während ihrer Krankheit allen nächtlich an ihrem Lager gebrannt hatte, setzte sich auf den Stuhl auf dem er sonst gesessen, und gedacht er eine stille Toten-Andach zu halten.
00:11:45: Aber plötzlich fiel ihm ein, dass er vergessen hatte nach dem Tischler zu schicken, damit er zeitig Käme maßzunehmen.
00:11:53: Ein schlechter Tannensag sollte es sein, Schwarz angestrichen – und ringsum einige Lande von Erika zweigen, denn sie hatte das stille zarte Pflanzenwesen vor allen anderen geliebt!
00:12:06: Was wird er sagt wohl kosten, dachte er weiter und plötzlich erschrak er in tiefster Seele denn er hatte nichts wovon er die Tote begraben konnte.
00:12:16: Er fing an zu zählen und zu rechnen aber er konnte zu keinem Abschluss kommen.
00:12:22: Es ist das erste Mal dass sie für ihre Person etwas braucht sagte er leise vor sich hin Und gedachte des verschossenen Kleides Dass sie Jahr aus Jahr eingetragen.
00:12:33: Er rechnet alles zusammen was er an Ausständen in Eile eintreiben konnte, aber die Summe war klein und bei Weitem nicht genügend, die Begräbniskosten zu bestreiten.
00:12:45: Auch die drei Fuder Torf, die er morgen und übermorgen allenfalls in die Stadt schicken konnte, vermochten daran nichts zu ändern.
00:12:54: Darauf nahm er ein Blatt Papier vor – und fing an, die Kosten zusammenzuzählen!
00:12:59: Ein Sarg?
00:13:00: Fünfzehntaler Der Platz auf dem Kirchhof?
00:13:04: Zehntala dem Küster fünf Taler, das Linnen zum toten Hemd zwei Taler.
00:13:12: Dann die Kosten des Begräbnisses, dass der Vater wahrscheinlich so großartig wie möglich hergerichtet wissen wollte – zehn Flaschen Portwein, zehn Taler eine Kiste Ziggaren, zwei Talers, zwei Achtel Bier, zwei Taler.
00:13:28: Zutaten für den Kuchen?
00:13:30: Das Weizenmehl war zwar im Haus, aber Zucker, Rosinen, Mandel, Rosenwasser und so weiter mussten neu beschafft werden.
00:13:38: Wie viel würde das wohl ausmachen?
00:13:40: Er rechnete Eifrig – Aber die Taxse wollte nicht stimmen!
00:13:45: Die Mutter wird's schon wissen, dachte er.
00:13:47: Und eben wollte er sie um Rat fragen.
00:13:50: Da sah'er, dass die tot war.
00:13:52: Er erschrak heftig.
00:13:54: Erst jetzt, da seine Fantasie Sie wieder lebendig gemacht hatte Begriff er, dass er sie verloren.
00:14:01: Er wollte laut aufschreien, aber er bezwang sich denn er musste weiterrechnen.
00:14:07: Verzei mir Mütterchen, sagte er mit der Rechten ihre kalten Wangen streichelnd.
00:14:13: Ich kann noch nicht um dich trauern ich muss dich erst unter die Erde bringen.
00:14:18: Unheimlich dröhnte das Gelächter des hilflosen Mannes durch die weiten Korridore.
00:14:26: Na das Buch ist noch nicht zu Ende.
00:14:28: Die entscheidende Frage es geht es einigermaßen gut aus.
00:14:31: versuchst du mal den Inhalt grob zusammenzufassen, was bis Ende noch passiert?
00:14:38: Ja.
00:14:38: Also er wird noch allerlei Ärger mit den wilden Zwillingen haben und er wird sehr wachsen an diesem Ärger, den er ja regeln muss.
00:14:47: als nun das Familienoberhaupt, denn sein Vater ist nun auch alt und krank.
00:14:53: Und es wird schon gut ausgehen aber wir sagen nicht wie.
00:15:00: Auf diesen Satz habe ich jetzt wochenlang gewartet!
00:15:02: Es wird gut ausgehend.
00:15:04: Liebe Marin, ganz herzlichen Dank dass du das alles so toll vorbereitet hast.
00:15:08: So toll gelesen hast alle mit dir gefiebert haben.
00:15:12: Wir gucken wann und wie wir das fortsetzen.
00:15:14: Du wirst sicherlich nicht das letzte mal hier gewesen sein.
00:15:17: Mein großer dank an dich.
00:15:19: nächste Woche die folge.
00:15:20: drehneinundfünfzig im bereich wieverlagebühel machen teil zwei neunzig ein neues thema Und du hast natürlich das schlusswort.
00:15:28: Ja, liebe Reif mir macht es auch immer sehr viel Spaß und ich freue mich schon auf unsere nächsten Podcasts die wir vielleicht noch aushecken.
00:15:37: Und ich würde wirklich allen Menschen empfehlen, die jetzt diesen Podcast gerne gehört haben zu Frau Sorge das Buch zu lesen weil ist einfach so schönes sich in dieser Sprache zu verlieren.
00:15:51: Ich kann das empfehle.
00:15:52: Es ist eine andere wunderbare Welt
00:15:55: Und der Autor Hermann Sudermann wurde ja nicht umsonst der Ballsack des Ostens genannt.