Der Büchermacher

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Wöchentliches über Büchermacher und aktuelle Bücher

Transkript

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00:00:01: Herzlich willkommen zu unserem Podcast der Büchermacher.

00:00:03: Mein Name ist Ralf Plenz, ich mache nur die Einleitung im Studio Ismarin Schönfeldt.

00:00:07: wir sind bei Folge dreieinhalb sechsundfünfzig im Bereich wie Verlagebücher machen Teil zweieinundert vierneunzig und das ist die Folge zwei von vier zum Thema Hermann Sudermann.

00:00:17: Frau Sorge eine Neuerscheinung aus dem Inputverlach des Buches kostet fünfundzwanzig Euro und hat die ISBN neun sieben acht drei neun vier eins neun zero fünf und dann die Sieben Zwo

00:00:30: Sechs.

00:00:30: Es hat fast dreihundert Seiten Hardcover-Fadenheftung, also ein sehr schönes Buch.

00:00:35: Maren der Platz am Mikrofon ist deiner.

00:00:37: Gib uns eine kurze innertliche Zusammenfassung von dem was du jetzt nicht liest und dann steigen wir in das Kapitel ein, was du lesen möchtest.

00:00:45: Ja hallo Ralph!

00:00:47: Heute ist die Lesung aus dem Buch.

00:00:49: da freue ich mich drüber.

00:00:51: Es geht ja darum in dem Buch um die Familie Mayhöfer, die ihr schönes herrschaftliches Haus Selenental verlassen muss aus finanziellen Gründen und auf das ärmliche Anwesen namens Mussainen zieht.

00:01:08: Dieser Vorfall ereignet sich direkt nach der Geburt Pauls des jüngsten Sohnes Und wir begleiten Paul dann durch sein Leben bis ins Erwachsenenalter, bei dem er viele schlimme und schwierige Herausforderungen meistern muss.

00:01:29: Die erste Stelle lese ich aus Pauls ganz früher Kindheit.

00:01:35: Am Nachmittag des selben Tages wurde ihr ein fremder Besuch gemeldet – eine schöne vornehme Dame sei in einer glänzenden Equipage auf den Hof gefahren eine Wochenvisite abzustatten.

00:01:52: Wer es denn sei?

00:01:54: Sie habe ihren Namen nicht nennen wollen!

00:01:57: Wie seltsam, dachte Elspeth die Mutter von Paul.

00:02:02: Aber da sie in ihrem Kummer ein wenig an himmlische Sendungen zu Glauben begann, sagte sie nicht nein.

00:02:10: Die Tür öffnete sich.

00:02:12: Eine schlanke zart gebaute Gestalt mit feinen weichen Gesichtszügen trat schwebenden Schrittes an das Bett der Wöchnerin.

00:02:23: Sie ergriff ohne Weiteres eine ihrer Hände und sagte mit einer sanften, leise verschleierten Stimme – Ich habe meinen Namen verschwiegen, liebe Frau Mayhöfer!

00:02:37: Denn ich fürchtete nicht angenommen zu werden wenn ich ihn vorher nannte Und am liebsten möchte ich auch jetzt ungekannt bleiben.

00:02:47: Ich muss leider annehmen dass sie mich nicht mehr mit wohlwollen betrachten werden wenn sie wissen, wer ich bin.

00:02:56: Ich hasse keinen Menschen auf der Welt", erwiderte Elsbeth, geschweige denn einen Namen.

00:03:04: »Ich heiße Helene Douglas« sagte die Dame leise und drückte die Hand der Kranken fester.

00:03:12: Elsbett fing sofort an zu weinen – die Besucherin aber als ob sie eine alte Freundin wäre, schlang den Arm um ihren Hals küsste sie auf die Stirn und sagte mit ihrer leisen, tröstlichen Stimme, seien sie mir nicht graben.

00:03:31: Das Schicksal hat es gewollt, dass ich Sie aus diesem Haus verdränge – aber Schuld habe ich nicht daran!

00:03:39: Mein Mann hat mir eine Überraschung bereiten wollen, denn der Name dieses Gutes stimmt mit meinem Vornamen überein.

00:03:49: Meine Freude war sofort verschwunden als ich hörte unter welchen Verhältnissen er ist erworben Und wie gerade sie, liebe Frau Mayhöfer, in dieser doppelt schweren Zeit haben leiden müssen.

00:04:04: Da zwang es mich denn mein Herz zu erleichtern, indem ich Sie persönlich um Verzeihung bete für den Kummer, den ich Ihnen bereitet habe und noch bereiten werde – denn Ihre Leidenszeit ist ja noch nicht

00:04:18: vorüber.".

00:04:23: Elsbeth hatte als ob dies so sein müsse, den Kopf an die Schulter der Fremden gelegt und weinte still vor sich hin.

00:04:32: Und vielleicht kann ich ihn auch ein wenig nützen, vor die sofort mindestens dadurch, dass ich einen Teil Bitterkeit von ihrer Seele nehme.

00:04:43: Wir Frauen pflegen uns besser zu verstehen als die harten heftigen Männer einander!

00:04:49: Die gemeinsamen Leiden, die auf uns lasten, führen uns näher – und vor allen Dingen eins.

00:04:56: Ich habe mit meinem Mann gesprochen dieses Haus so lange als Eigentum zu betrachten, als es ihnen irgend beliebt.

00:05:07: Wir bringen den Winter meistens in der Stadt zu und haben zudem noch ein zweites Gut das wir durch einen Verwalter bewirtschaften lassen wollen.

00:05:17: Sie sehen also dass sie uns in keiner Weise stören und höchstens einen Gefallen erweisen wenn sie noch ein halbes Jahr unter rüber hier schalten und walten wie bisher.

00:05:30: Als bedankte nicht Aber der tränenfeuchte Blick, den sie zu der Fremden erhob, war dank genug.

00:05:37: Jetzt seien Sie wieder heiter, liebste Frau vor diese Fort und wenn Sie für die Zukunft Rat-und Hilfe brauchen, bedenken Sie das.

00:05:46: hier jemand ist, der viel an Ihnen gutzumachen hat!

00:05:50: Und welch ein prächtiges Kind.

00:05:52: Sie wandte sich der Wiege zu – Ein Junge oder ein Mädel?

00:05:56: Ein Junger sagte Elspeth mit einem schwachen Lächeln.

00:06:00: Findet Er schon Geschwister in dieser Welt?

00:06:03: Aber was frag ich?

00:06:04: Die beiden strammen kleinen Kerle draußen, die mich am Wagen empfingen.

00:06:09: Darf ich sie näher kennenlernen?

00:06:10: Nein hier nicht!

00:06:12: Wehrte sie hasstig ab.

00:06:14: Es könnte sie noch mehr erregen.

00:06:16: später später.

00:06:18: Vorerst interessiert uns dieser kleine Weltbürger.

00:06:22: Sie beugte sich über die Wiege und nestelte das Wickelzeug zurecht.

00:06:27: Er macht schon eine ganz altkluge Mine, sagt diese Scherzend.

00:06:32: Die Sorge hatte an seiner Wiege gestanden, erwiderte Elsbett leise und schwermütig.

00:06:37: Daher hat er das alte Gesicht!

00:06:40: Oh nicht abergläubisch sein meine Beste, er widerte die Besucherin….

00:06:45: Ich habe mir sagen lassen, dass Neugeborene in ihren Zügen oft etwas Greisenhaftes tragen – Das verliert sich bald.

00:06:54: Gewiss haben auch Sie-Kinder fragte Elsbeth ….

00:06:58: Ach ich bin ja eine so junge Frau.

00:07:01: Er widerte die Besucherinnen und erötete dabei.

00:07:05: Kaum sechs Monate verheiratet aber, Und sie eröteten noch tiefer.

00:07:11: Gott steh ihnen bei in ihrer schweren Stunde, sagte Elspeth.

00:07:15: Ich werde für Sie beten.

00:07:17: Das Auge der Fremden wurde feucht.

00:07:20: Dank, tausend Dank, sagte sie Und lassen Sie uns Freundinnen sein.

00:07:25: Ich bitte Sie recht herzlich.

00:07:27: Wissen Sie was?

00:07:28: Nehmen Sie mich zur Patin Für diesen Ihren Jüngsten und erweisen sie mir den gleichen Liebesdienst, wenn der Himmel mich segnet.

00:07:37: Die beiden Frauen drückten sich stumm die Hände – ihr Freundschaftsbund war geschlossen!

00:07:44: Als die Besucherin sie verlassen hatte, sah Elspeth mit einem scheuen traurigen Blick in die Runde.

00:07:51: Es war noch eben so hell, so sonnig hier, murmelte sie und ist jetzt wieder so dunkel

00:07:57: geworden.".

00:08:00: Nach einer kleinen Weile kamen die beiden Ältesten trotz der Abwehr der Wärterin mit hellem Jubel in das Krankenzimmer gestürzt.

00:08:07: Jeder hielt eine Zuckertüte in der Faust, »Das hat uns die fremde Dame geschenkt« jauchsten sie.

00:08:14: Elsbeth lächelte – pst.

00:08:16: Kinder!

00:08:16: sagte sie – ein Engel ist bei uns gewesen.

00:08:20: Die beiden kleinen Burschen machten ängstliche Augen und fragten – Mama?

00:08:25: Ein

00:08:26: Engel?!

00:08:29: So wurde Frau Douglas Pauls Taufpartin.

00:08:33: Wohl war Mayhöfer nicht wenig ungehalten über die neue Freundschaft, denn das Mitleid der Glücklichen brauch ich nicht, pflegte er zu sagen.

00:08:43: Aber als die milde freundliche Frau zum zweiten Mal auf dem Hof erschien und ihm gut zuredete, wagte er nicht länger Nein zu sagen!

00:08:53: Auch in den weiteren Verbleib auf der alten Heimstätte willigte er ein, freilich mit widerstrieben – Die Wirtschaft muss seinen.

00:09:01: die er in der Tat noch am selben Tag käuflich erstanden hatte, war in so desulat im Zustand das ein Verweilenderin während der kalten Herbsttage für Frau und Kind gefährlich schien.

00:09:15: Vor allem mussten die notwendigste Reparaturen besorgt und Zimmermann Maurer- und Töpfer herbeigeholt werden, ehe an einen Umzug zu denken war.

00:09:26: Nichtsdestu weniger sah sich Elspeth durch den Eigensinn ihres Mannes gezwungen lange bevor die Herrichtung der neuen Wohnung vollendet war, in diese überzusiedeln.

00:09:37: Als nämlich eines Tages ein Inspektor des Neuen Herrn mit einer Anzahl Arbeiter auf dem Hof erschien und in seinem Auftrag bescheiden um Unterkunft bat, erklärte er dessen Handlungsweise zu eine ihm geflissentlich angetanen Schmach – und war entschlossen, keinen Tag länger auf den Boden zu verweilen, der einst sein Eigentum gewesen.

00:10:00: Es war ein kalter trüber November Tag, als Elsbett mit ihren Kindern dem alten Liebenhaus Valet sagte.

00:10:10: Ein feiner Sprühregen rieselte alles durchnessend vom Himmel.

00:10:15: In grauen Nebel eingehöhlt, öde und trostlos lag die Heide vor ihren Blicken.

00:10:22: Das Jüngste an der Brust – die beiden älteren Kinder weinend um sich – bestieg sie den Wagen, der sie dem neuen düsteren Schicksal entgegenführte.

00:10:32: Als sie zum Hoftor hinausrollten und der kalte Heidewind ihnen mit eisigen Routen ins Gesicht peitschte, da fing auch das Kleine, das solange still- und friedlich dargelegen, klärtlich zu weinen an.

00:10:47: Sie höhlte es fester in ihren Mantel und beugte sich tief über den zitternden Körper um die Tränen nicht zu zeigen, die ihr unaufhaltsam über die Wangen

00:10:57: rollten.".

00:10:59: Nach einer halben Stunde Fahrt auf lemigen, regendurch weichten Wegen erreichte der Wagen sein Ziel.

00:11:07: Fast hätte sie laut aufgeschrien als sie das neue Heimwesen in seiner Trostlosigkeit und seinem Verfall vor ihren Blicken liegen sah – langgestreckte aus Lehm- und Heidekraut gebaute Wirtschaftsgebäude ein sumpfiger Hof, ein niedriges mit schindeln gedecktes Wohnhaus von dessen Wänden der Kalk stellenweise abgebröckelt war und die nackte Mauer bloß liebte.

00:11:34: Ein verwilderter Garten, in dem die letzten traurigen Reste des Sommers Astern- und Sonnenblumen neben halb verwesten Küchenkräutern wucherten, ringsum ein grell angestrichener Zaun, dem man vor seinem Ende noch eine letzte Ölung gegeben zu haben schien.

00:11:53: Das war der Ort!

00:11:55: an welchem die Familie des abgewirtschafteten Gutsbesitzers fortan zu Hause hatte.

00:12:01: Das war der Ort, an welchem der kleine Paul heranwuchs – welchem Die Liebe seiner Kindheit, die Sorge seines halben Lebens galt!

00:12:11: Er war in seinen ersten Jahren ein zartes, siechendes Geschäft und in mancher Nacht zitterte die Mutter, dass das Mathe-Lämpchen seines Lebens verlöschen werde ehe der

00:12:23: Morgengraute.".

00:12:25: Dann saß sie in dem düsteren niederen Schlafzimmer, die Ellbogen auf die Kante des Bettes gestützt und starte mit brennenden Augen auf den mageren Körper welchen ein Krampf schmerzhaft zusammenzerrte.

00:12:40: Aber er überstand alle Krisen der ersten Kindheit – und mit fünf Jahren war er wenn auch schwächlich an Gliedern und Blass fast welk im Gesicht!

00:12:51: Die alten Züge hatte er beibehalten Ein gesunder Knabe, auf dessen Empor kommen man Hoffnungen setzen konnte.

00:13:02: In dieselbe Zeit fallen.

00:13:03: seine frühsten Erinnerung – die erste, die er sich in späteren Jahren vielfach zurückrief war folgende Das Zimmer ist halb dunkel An den Fenstern blühen die Eisblumen und rötlich dringt der Schein des Abendrotz durch die Gardinen.

00:13:21: Die älteren Brüder sind Schlittschuhlaufen gegangen, er aber liegt in seinem Bett denn er muss früh schlafen gehen.

00:13:28: und neben ihm sitzt die Mutter, die eine Hand um seine Nacken gelegt, die andere auf der Kante der Wiege in welcher die beiden kleinen Schwestern schlaffen, die das Storch vor einem Jahr gebracht – beide an ein- und demselben Tag.

00:13:45: »Mama, erzähl mir einen Märchen«, bittet er, und die Mutter erzählte.

00:13:51: Was?

00:13:52: Daran erinnert er sich nur dunkel, aber es war darin von einer grauen Frau die Rede, welche in allen trüben Stunden die Mutter besucht hatte eine Frau mit bleichem, hagrim Gesicht und dunklen verweinten Augen.

00:14:07: Sie war wie ein Schatten gekommen und wir an Schatten gegangen, hatte die Hände über der Mutter Haupt gebreitet – ungewiss ob zum Segen oder zum Fluch – und allerhand Worte gesprochen die auch auf ihn den kleinen Paul Bezug hatten.

00:14:25: Es war darin von einem Opfer und eine Erlösung, die Rede gewesen aber die Worte vergaß er wieder wahrscheinlich weil er noch zu klein war um sie zu verstehen.

00:14:36: Aber einer Sache erinnerte es sich genau.

00:14:40: Während er schier atemlos vor Grauen und Erwartungen den Worten der Mutter lauschte sah er plötzlich die graue Gestalt, von der sie sprach, leibhaftig an der Tür stehen.

00:14:52: Ganz dieselbe mit ihren erhobenen Armen und ihrem blassen traurigen Gesicht!

00:14:58: Er verbarg den Kopf im Arm der Mutter, sein Herz pochte, Der Atem fingen an ihm zu fehlen Und in Todesangst musste er aufschreien, Mama da ist sie, da is sie!

00:15:09: Wer?

00:15:10: Die Frau Sorge fragte die Mutter.

00:15:13: Er antwortete nicht und fing an zu weinen.

00:15:15: – Wo denn?

00:15:16: fragte die Mutter.

00:15:18: Dort in der Tür, widerte er sich aufrichtend und ihren Hals umklammern, denn er hatte große Angst!

00:15:24: – Oh du kleiner Dummerjahn, sagte die Mutter, das ist ja Papas langer Reisemantel!

00:15:32: Und sie holte denselben her und hieß ihnen Futter-und Oberzeug betasten, damit erst genau wüsste.

00:15:39: Und er gab es sich da rein.

00:15:41: Aber innerlich war er nur umso fester überzeugt, dass er die graue Frau von Angesicht zu Angesichts gesehen.

00:15:48: Und nun wusste er auch wie sie hieß – Frau Sorge hieß sie!

00:15:53: Aber die Mutter war nachdenklich geworden und ließ sich nicht bewegen das Märchen zur Ende zu erzählen.

00:16:00: Auch in späteren Zeiten nicht mochte er sie noch so flehendlich bitten.

00:16:07: Das ist ein absoluter Cliffhänger.

00:16:08: Du hast wunderbar gelesen.

00:16:10: wir sind ganz tief in der Geschichte drin.

00:16:12: Folge zwei von vier ist zu Ende.

00:16:14: Liebe Marien, vielen Dank!

00:16:15: Nächste Woche gibt es die Folge drei und vier, Folge dreieinhalbundfünfzig.

00:16:19: wie Verlage Bücher machen Teil zweieinundertneunzig.

00:16:22: Hermann Sudermann Frau Sorge Vielen, vielen dank.

00:16:26: in allen wünsche ich einen schönen Tag.

00:16:27: kommen Sie gut durch diese Woche bis bald auf Wiederhören.

Über diesen Podcast

In diesem wöchentlichen Podcast, einer Hörsendung des Hamburger Autors Ralf Plenz, erhält man einen Einblick in die Welt der Autoren, Lektoren, Gestalter, Büchermacher und Buchverkäufer. Bleiben Sie unserem Podcast treu! www.input-verlag.de

von und mit Ralf Plenz

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