Wöchentliches über Büchermacher und aktuelle Bücher
00:00:01: Herzlich Willkommen zu unserem Podcast der Büchermacher.
00:00:04: Mein Name ist Ralf Plenz, ich bin der Sprecher und der Autor ist Jan Schischold.
00:00:08: Ja?
00:00:09: Das ist dieser berühmte Typograph.
00:00:12: in den Neunzehnhundertsiebzigern verstorben.
00:00:14: Wir sind bei Folge dreihundertvierzig im Bereich Wieverlage-Büchermachen Teil zweihundert achten siebzig.
00:00:20: das die Folge Drei von fünf.
00:00:22: eine Lesung aus dem Buch von Jan Schichold.
00:00:24: erfreuliche Drucksachen durch Typografie.
00:00:27: wir sind auf Seite achtzehn Die beiden Grundpfeiler guter Typografie.
00:00:33: Gute Typographie ist wesentlich ein Ergebnis wohl überlegter Anordnung.
00:00:38: Einer ungeschickten Anordnung helfen selbst die allerschönsten Schriften nichts, aber selbst mit mittelmäßig guten Schriftern kann man eine gefällige Anordnung treffen.
00:00:48: Ungeschicklichkeit mit gegebenen Schrifte umzugehen ist die Hauptursache der unappetitlichen Durchschnittstypografie, der Zeitungen und anderer Drucksachen.
00:00:58: Wirklich vollendete Typografie jedoch setzt richtig gute Buchstaben voraus.
00:01:03: Diese sind eine der beiden Pfeiler guter Schriftarbeit, gar manche hatten noch niemals eine gut geformte schrift wissentlich wahrgenommen.
00:01:14: Gute Schrift ist ja auch selten!
00:01:16: Ich als Sprecher muss ergänzen bei der Vielfalt von Tausenden schon Schriften heutzutage im Web und auf dem Computer.
00:01:24: gute Schrift is ja auch sehr sehr selten.
00:01:27: Die meisten kennen nur die größtenteils miserablen Schriftformen, wie sie einem in den Straßen und in den Zeitungen begegnen.
00:01:34: Und braucht jemand einmal eine Schrift?
00:01:35: So verlangt er nicht etwa eine edle Schrift sondern etwas Besonderes!
00:01:41: Eine besondere vom üblichen abweichende Schrift aber ist bestimmt die schlechtere... Dass es wohl geformte Schriften geben könnte, kommt ihm nicht in den Sinn.
00:01:51: Er meint das bessere Typografie von anders auffälligen und von anders sonderbaren Schriftern abhänge.
00:01:59: Er schwört daher auf neues und modernes statt auf das besseren und vernünftige.
00:02:05: Er glaubt die vorkommenden Schrifter wirken nicht mehr – weil sie allzu bekannt sein!
00:02:11: Dass sie in Wahrheit abstoßen, vermag er nicht zu erkennen, solange ihm weder gute Schriftformen noch gesunde Anordnung bekannt geworden sind.
00:02:19: Die Drucksache die dem geneigten Leser in diesem Augenblick am Nächsten liegt – ein Briefumschlag, eine Visitenkarte das Etikett eines Pakets, einen Bankcheck, ein Postformular einer Eintrittskarte für ein Konzert, ein Geschäftsbrief, eine Rechnung ist sicherlich ein Muster schlechter nachlässiger Typographie aus hässlichen Schriften.
00:02:41: Es wäre ein kleines Wunder, wenn diese Zufallstrucksachen schön und gepflegt
00:02:45: aussähen.".
00:02:47: So selten sind ordentliche Drucksachen!
00:02:50: Als Sprecher muss ich ergänzen das Buch ist neunundhundertsechzig geschrieben zu Zeiten von Bleisatz und dem aufkommenden Fotosatz.
00:02:58: Weiter mit Jan Schischold.
00:02:59: In jedem gebildeten erwecken die Namen Bach und Mozart bestimmte Vorstellungen aber Begriffe Breitkopffraktur oder Phonie Antique war, die ihnen in der Typografie ungefähr entsprechen, sagen denselben Personen nichts.
00:03:15: Begegnen sie ihn, so wüssten sie diese Schriften nicht zu benennen – während sie den Musikmotsatz oder Bachs wieder erkennen.
00:03:23: Wer Mejol var und was er geschaffen hat ist zwar weit hin bekannt, doch wissen nur wenigen mit dem Namen Erik Gill?
00:03:30: Seinesgleichen auf dem Gebiet der Schrift etwas anzufangen!
00:03:35: Nicht in allen Ländern sind die Benützer von Drucksachen am Aussehen der Schrift und ihrer Anordnung so wenig interessiert wie im Deutschsprechenden.
00:03:43: In England zum Beispiel ist die Mehrzahl der Gebildeten schriftgebildet, type-conscious.
00:03:50: Auch mit nichtfach Leuten kann man dort über Vorzüge der Garamon reden und darf das Wort Bodoni erwähnen ohne auf Unwissen zu stoßen.
00:03:59: Die Beschriften der Londoner Untergrundbahn Die eine von etwa Johnston, dem größten Schriftlehrer entworfene Endstrichlose benutzt ist schlechthin meisterhaft.
00:04:10: Ein Vorbild für alle ähnlichen Aufgaben!
00:04:14: Wie herausfordernd hässlich sind dagegen die Ortsschilder auf fast jedem einzelnen Deutschen Bahnhof?
00:04:20: Nur die seltenen antiken Beschriftungen aus der Zeit vor Achtzehnundachtzig sind in ihrer Art schön.
00:04:26: Selbst wo sie dort verfehlt und ohnehin nicht gerade anmodig in Schaftstiefeln marschierende Kochschrift und die pseudogotischen Ortsschilder aus der trübsten Zeit der deutschen Geschichte verschwunden sind, lässt die Form dieser wichtigen Tafeln – die doch Visitenkarten des Landes sind – alles zu wünschen übrig.
00:04:46: Hässliche und überdies meist zu fette Groteskschriften in rhythmisch mangelhafter Formen.
00:04:51: Und daher gar nicht gut leserlich!
00:04:54: Wenn irgendwo so ist hier auch der Name Grotesc am Platz.
00:04:58: Als diese Schrift aufkam, fand man sie gewagt und sonderbar und nannte sie darum grotesk.
00:05:05: Die bessere Gattungsbezeichnung wäre entstrichlose, denn es ist eine Schrift ohne die keineswegs überflüssigen Entstriche – also die Serifen!
00:05:16: Für die Bahnhofsschilder geeignet ist nicht etwa die Futura, denn sie enthält undeutliche A und G und eine irrige U-Form Und bestimmt nicht die alte Grotesque des neunzehn Jahrhunderts, nicht einmal eine von erträglicher Formen.
00:05:31: Sondern die allein richtige Schrift dafür – von Clara Edler-Form ist die Gilles Sans Serif, die Endstrichlose von Éric Gilles.
00:05:40: und das bezieht sich jetzt auf eine Abbildung, die jetzt auf der nächsten Seite mit eins zwei drei vier bezeichnet ist und es ist absolut überzeugend was er dort erklärt zu dieser Abbildung.
00:05:51: Die endstrichlose oder grotesk ist eine zurzeit fast unerträglich häufige Schriftart.
00:05:57: Es wäre gut, wenn man ihren Gebrauch auf Schlagzeilen und wichtige öffentliche Aufschriften wie Ortsnamen auf Bahnhöfen und kein Durchgang – Umleitung und dergleichen beschränkt und alle übrigen zumal die der Läden in schönen Antikverschriften ausführte.
00:06:14: Außerdem gibt es nicht nur verschiedene schöne sondern auch sehr verschiedenformige Groteskschriften.
00:06:21: Nur Formen der gleichen Familie dürfen zusammen verwendet werden.
00:06:25: und dann hatte jetzt ein Beispiel, da steht mein Brücke tägliche Vorführungen in der Spielwarenabteilung.
00:06:31: das sind also zwei verschiedene Schriftgrade aber für verschiedene Zwecke.
00:06:37: ich muss mich korrigieren Das sind wirklich beides Groteskschriften Aber aus verschiedenen Groteskkschrifte von sehr unterschiedlicher Gestalt.
00:06:46: so erläutert jetzt Jan Schischoldt in dem Buch weiter Die Rundungen der unteren sind als die der oberen, oben erbarer unten futur.
00:06:55: Die U und C zum Beispiel sind sehr verschieden – die Wortabstände der zweiten Zeile sind doppelt so groß wie nötig und zerstören das Seilenbild.
00:07:03: Der Gradunterschied ist genügend doch wäre eine Helligkeitsunterschieden dazu angenehmer.
00:07:09: Stilistisch so verschiedene Groteskschriften dürfen untereinander nicht in der gleichen Arbeit begegnen.
00:07:16: Und leichtere Schrift wäre erfreulicher!
00:07:18: Nürts hat eine wunderbare Abbildung, wo letztlich genau das Gleiche steht.
00:07:22: Mein Brücke und dann tägliche Vorführungen in der Spielwarenabteilung aber mit deutlichen Größenunterschiedlichen und Strichstärkenunterschieden.
00:07:30: Das müssen sich anschauen.
00:07:31: auf Seite Zweiundzwanzig von dem Buch erfreuliche Drucksachen durch gute Typografie.
00:07:36: Ja dieses Beispiel ist jetzt weiter Tschecholt!
00:07:39: Das ist viel besser vernünftiger anschaulicher Es muss aber nicht grotesk sein.
00:07:45: Und die Halbfette braucht es auch nicht.
00:07:47: Nimmt man eine Antiqua, so bietet sich die zugehörige Kursive als zusätzlicher Kontrast zur größeren Hauptzeile aus der Gewöhnlichen an.
00:07:57: Jetzt ist dritte Beispiel wieder auch wieder mein Brückertägliche Vorführung in der Spielwarenabteilung.
00:08:02: oben eben eine gewöhnliche also nicht halbfett und darunter die Kursieve.
00:08:07: Die Antiquas wirkt stets angenehmer als die kalte leicht unfreundliche unpersönlich wirkende Grotesque.
00:08:15: Anmerkung von mir hat Sprecher, man muss das gesehen haben und dann versteht man Jan Schischolt.
00:08:20: Weiter mit dem Text.
00:08:21: Endstrichlose sind oft nützliche Auszeichnungsschriften – sie bedeuten in der Typographie was scharfe Zugaben und süße Nachspeisen beim Essen sind.
00:08:30: Gaumenreize!
00:08:32: Nicht nur verträglich aber ist die endstrichloser als Textschrift so wie man von Paprikapfeffer, Sadellen oder Torten allein nicht leben kann.
00:08:41: Für die kleinen Kinder zwar, die lieber Schokolade essen denn Brot ist die Endstrichlose sehr gut geeignet.
00:08:49: Denn ihre grob vereinfachte Form entspricht genau dem unentwickelten optischen Differenzierungsvermögen des Kleinkindes und der Langsamkeit des Lesens.
00:08:58: Da hat er jetzt ein kleines Beispiel, das machen wir in der Tat in relativ vielen Schulbüchern so für den ersten bis dritten vierten Klassen.
00:09:07: weiter im Text.
00:09:08: Erwachsene sind in der Regel geübt und willens schneller zu lesen als Kinder – obwohl manche unter ihnen nie zu lesen scheinen.
00:09:16: Können sie nicht oder mögen Sie nicht?
00:09:20: Wir sind jetzt auf Seite vierundzwanzig.
00:09:22: Gute Typografie besteht also aus guter Anordnung, schöner Schriften.
00:09:26: Guteschrift, richtige Anordnung – das sind die beiden Pfeiler aller Schriftkunst!
00:09:31: Sie bedarf beider Pfeile und kann nicht auf einem Bein stehen.
00:09:35: Da die Schriftformen die greifbaren Arbeitsmittel sind wollen wir sie zuerst betrachten.
00:09:41: Und jetzt kommt ein Beispiel und das ist das letzte Beispiel für heute.
00:09:44: Dann geht es um eine Karte von einem Hotel, wo die Tischnummer notiert ist und der Datum und darunter der Text von Jan Schischold gesetzte Platzkarte.
00:09:57: Die englischen Linien, langsame Betonungen in der Mitte sind auch heute noch wertvolle Mittel gepflegter Typografie.
00:10:06: Sie ahnen schon, man kann Jan Schischold lesen.
00:10:09: Man kann ihn aber in vielen Punkten nur verstehen wenn man die Abbildung dazu sieht und Wenn man sich das immer wieder anschaut begreift man was er mit guter Typografie meint.
00:10:18: Das Buch aus dem ich das gelesen habe Teil drei von fünf ist Von Jan Schisholt.
00:10:24: Erfreuliche Drucksachen durch gute Typografien mit im Untertitel eine Fiebel für jedermann.
00:10:30: Das Buch hat hundert und zwanzig Seiten, kostet vierundzwanzig Euro in meinem Input-Verlag.
00:10:37: Es ist die Nummer achtunddreißig meiner Reihe per Literatur und die ISBN ist neun, sieben, acht, drei, neun für eins, neuneinhalb, fünf, siebendrei, dreiei.
00:10:48: Also investieren Sie!
00:10:48: Vierundzwanzieh Euro.
00:10:49: verschenken Sie das Buch kaufen Sie es, genießen Sie es und ich garantiere Ihnen, Sie werden jetzt im Laufe der nächsten zehn Jahre immer mal wieder in die Hand nehmen und jedes Mal werden Sie erfreut sein was Sie wieder gelernt haben oder was sie noch lernen müssen.
00:11:03: Nächste Woche die Folge dreieinhalbundvierzig meines Podcasts der Büchermacher im Beverlage Büchermarental zweihundertneunundsebzig.
00:11:10: ich wünsche Ihnen alles Gute, kommen Sie gut durch diese Woche.
00:11:12: freuen sich auf die nächste Woche.
00:11:14: Folge vier von fünf Lesung aus dem Buch von Jan Schischold.
00:11:17: aus Hamburg grüßt Sie ganz herzlich Reif Pläntz Ihr Büchernacher.